Heute möchte ich dir die 5 Phasen vorstellen, die ein Paar in einer unbewussten, normalen Liebesbeziehung durchläuft, bevor es sich (in der Regel) wagt wirklich einander zu begegnen!

Phase 1: die Verliebtheit

Hormone und Projektionen bestimmen diese Phase. Man zeigt sich seine Schokoladenseite und glaubt, der andere ist genau das, was einem bisher gefehlt hat zum perfektem Liebesglück. Wunderbar! 

Phase 2: Harmonie erhalten 

Die große Verliebtheit ist vorüber, Alltag und erste Gewohnheiten stellen sich. Man ist glücklich miteinander, genießt die Zweisamkeit und das neu gewonnene Gefühl der Geborgenheit. Ganz leise kommt auch mal das Gefühl der langen Weile, das Zusammensein fühlt etwas „klebrig“ an, nicht mehr so frisch wie in den ersten Wochen, doch das würde man niemals voreinander zugeben. In dieser Phase werden Pläne geschmiedet, gemeinsame Urlaube geplant, die Eltern werden einander vorgestellt und ein gemeinsamer Freundeskreis aufgebaut. Kleine, erste Konflikte entstehen und man beginnt bereits hier zu ahnen: der andere lebt doch in einer ganz anderen, irgendwie auch fremden Welt. Doch der Wunsch die Harmonie zu erhalten ist so groß, dass man versucht beide Welten zu einer verschmelzen zu lassen. Es werden immer mehr Gewohnheiten und Routinen etabliert, viele lebende Paare schwören sich die Treue, zieht zusammen, gehen zu Ikea. … 

Phase3: der Machtkampf

Der Alltag, die Gewohnheit, das Vorhersehbare nimmt immer mehr Luft zum atmen, es fühlt sich irgendwie unfrei, nicht mehr so richtig lebendig. Viele Dinge, die früher zum eigenen Leben gehörten, die einem wichtig waren wurden vernachlässigt- der Beziehung zu Liebe und um die Harmonie zu erhalten. Dieses „verlorene“ versucht nun mindestens einer wieder zurückzuerobern. Es entsteht ein Beziehungsgefüge, indem sich einer zum Opfer, der andere zum Täter entwickelt. Der Machtkampf beginnt! Kontrolle, Eifersucht, Manipulationen und Abhängigkeiten machen sich breit und werden als Krücken eingesetzt, damit das Gleichgewicht wenigstens etwas bestehen bleibt. Man wird zu seiner dunklen Seite. Altes, Ungeklärtes kommt zum Vorschein, die Kommunikation endet oft in Streit. Diese Phase ist die Gegenphase zur Verliebtheitsphase, manchmal wird es auch eine toxische Phase. Sehr viel erschöpfende Intensität und sehr viele Emotionen beherrschen den Alltag. Nur eben die schmerzhaften und Kraft raubenden. In dieser Phase trennen sich viele Paare, gehen zu einer Paarberatung, oder ziehen sich in sich zurück. 

Phase 4: die Resignation

Erschöpfung, Resignation, Ohnmacht und Sprachlosigkeit sind die Begleiter der 4. Phase. Jeder lebt  sein Leben so gut es geht und fragt nicht mehr nach. Man „akzeptiert“ Untreue, Respektlosigkeit, Einsamkeit und Leere. Körperliche Nähe gibt es fast nicht mehr. Im besten Falle bleibt man ein funktionierendes Team im Alltag. Das ist die Phase, in der ein Paar am weitesten voneinander entfernt ist. Zwei fremde Menschen leben unter einem Dach und warten…. 

Phase 5: Freundliche Distanz 

Viel Zeit ist vergangenen. Man schaut auf ein großes Stück gemeinsam gelebtes Leben zurück und hat Frieden geschlossen mit dem was geschehen ist. In dieser Phase beginnt ein Paar wieder freundlich miteinander zu sprechen und gemeinsame Dinge zu erleben. Respekt und eine Art von Liebe kann sich jetzt sogar wieder einstellen. Man spricht über „alles“, nur nicht über die Dinge, die einen wirklich im Inneren beschäftigen. Nach außen sieht es so aus, als hätte dieses Paar „es“ geschafft. Respektvolle Konversation und gegenseitige Unterstützung prägt in Phase 5 den Alltag. Doch im Inneren lebt weiterhin sehr viel Traurigkeit. 

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Eine Beziehung muss natürlich nicht zwangsläufig durch alle diese Phasen gehen. Es gibt Paare, die die eine oder andere Phase überspringen, oder sich sehr frühzeitig wieder trennen. Doch sehr oft braucht es alle 5 Phasen, um wirklich eine Entscheidung treffen zu können. Eine Entscheidung, die es etwas braucht, damit du und damit ihr ein erfülltes, glückliches Leben miteinander führen könnt.

Diese Entscheidung heißt: berührbar, verletzlich und nackt vor deinen Partner zu treten. Bist du bereit dich voll und ganz deinem Partner zuzumuten? Mit deinen Ängsten, deinen Wünschen, deinen Fehlern, deiner Traurigkeit, deiner Sehnsucht und deine Bedürfnissen. Kennt dein PartnerIn all das? Und kennst du all das von deinem PartnerIn? Bist du bereit das Bild, dass du viel lieber von dir zeigst herzugeben und einzutauschen gegen das, wer du wirklich bist?  

Wenn ihr euch einander begegnet und wirklich einmal erkennt und euch dann trotzdem füreinander entscheidet, werdet ihr das erste Mal auf einem wirklichen stabilen Boden euer Beziehung stehen. Einem Boden der Euch Lebendigkeit, Nähe und Erfüllung schenkt. Und vielleicht sogar eine neue Verliebtheitsphase.